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02.07.2019 09:09 Uhr

Auch Audi manipuliert Dieselmotoren - doch die Öffentlichkeit soll davon nichts wissen

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Kein Ende in Sicht beim Dieselskandal. Wie nun bekannt wurde, war auch die zum Volkswagen-Konzern gehörende Marke Audi nicht zimperlich bei der Manipulation des Schadstoffausstoßes. Betroffen sind etwa 200.000 größere Dieselmotoren mit der Euro-Norm 6. Sie werden auch in Fahrzeugen von VW und Porsche eingesetzt.

Diese Nachricht ist in vielfacher Hinsicht brisant. Zum einen liegt der Fall schon anderthalb Jahre zurück, zum anderen hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Fahrzeuge schon Anfang 2018 durch Bescheide zurückgerufen, ohne die Öffentlichkeit zu informieren.

KBA nachlässiger als bei anderen Herstellern

Ebenso bemerkenswert ist, dass Audi nicht - wie bislang gedacht - nur eine, sondern gleich vier Abgasstrategien verbaut hat. In den Bescheiden ging es nur um eine verbotene Abschalteinrichtung, die sogenannte Aufwärmfunktion des Motors. Es gab allerdings noch drei weitere fragwürdige Maßnahmen des Herstellers, die Audi freiwillig beseitigt hat. Dass nur eine Methode vom KBA als unzulässig gerügt wurde, könnte Audi später in Prozessen noch helfen.
Nun möchte man davon ausgehen, dass das Kraftfahrtbundesamt die entsprechenden Dieselmodelle unter die Lupe genommen hat, um herauszufinden, welche unzulässigen Methoden durch Audi genutzt wurden. Doch Fehlanzeige. Das KBA hat die mesiten Modelle nicht selbst geprüft, sondern dem Hersteller geglaubt. Dass es sich bei allen vier Abgasstrategien um Abschalteinrichtungen handelte liegt nahe, denn immerhin konnte Audi die Abschalteinrichtungen einfach entfernen und die Motoren arbeiten trotzdem problemlos weiter.

Auch die Münchner Staatsanwaltschaft wusste nichts von den Rückrufen, obwohl dort Ermittlungen gegen 27 Beschuldigte im Audi-Dieselskandal laufen. Das ist unüblich, da Rückrufaktionen normalerweise öffentlich gemacht werden. So auch bei Mercedes, wo das KBA unlängst zehntausende Fahrzeuge des Modells GLK 220 Baujahr 2012 bis 2015 zurückrief (wir berichteten).

Soll hier etwas verschleiert werden?

Die Staatsanwaltschaft München wurde bereits 2017 über einen Rückruf nicht informiert und kritisierte das Kraftfahrtbundesamt daraufhin deutlich. Wenn dieses trotz Aufforderung nicht mit den Strafverfolgungsbehörden kooperieren würde, käme das einer versuchten Strafvereitelung gleich. Nun also der nächste Fall.
Fakt ist: Audi musste im Oktober 2018 ein Bußgeld von 800 Millionen Euro zahlen. Die Staatsanwaltschaft München hatten das Verfahren daraufhin eingestellt. Auch in den USA wird gegen Führungskräfte des Unternehmens ermittelt. Dort sind dem VW-Konzern durch den Abgasskandal bereits Kosten in Höhe von 25 Milliarden Euro entstanden, ein Teil davon durch die freiwillige Entschädigung betroffener Autofahrer.

In Deutschland kam es jedoch zu keinen freiwilligen Entschädigungen. Ab dem 30. September 2019 wird am Oberlandesgericht Braunschweig zwar die Musterfeststellungsklage gegen Volkswagen verhandelt, an der sich mehrere hunderttausend Kunden des Konzerns beteiligen. Das Verfahren wird sich aber vermutlich über Jahre hinziehen und selbst wenn es Erfolg hat, muss jeder einzelne danach seine Ansprüche in einer weiteren Klage geltend machen, um Schadensersatz zu erhalten.

Einfacher und schneller geht es ohne die Musterfeststellungsklage. Immer mehr Gerichte entscheiden in Einzelklagen zugunsten der Autofahrer. Unter anderem die Anwälte der Partnerkanzleien Profins helfen bei der Ausarbeitung von Klagen, damit Autofahrer zu ihrem Recht kommen. Profin unterstützt diese durch eine Prozessfinanzierung.