0800 0008652 WhatsApp info@lawbutler.com
31.10.2019 04:31 Uhr

Audi-Fahrer erstreitet Schadensersatz von Volkswagen

Fast wöchentlich gibt es neue Gerichtsurteile im Dieselskandal. Doch einige sind so besonders, dass sie Auswirkungen auf viele weitere Klagen haben könnten. So auch das jüngste Urteile am Oberlandesgericht (OLG) München. Hier hatte der VW-Konzern bislang noch nie verloren. Das hat sich nun geändert - und das, obwohl es in dem Prozess eigentlich um einen Audi ging.

Die Schuld trägt VW

Geklagt hatte ein Kunde aus Günzburg, der im Mai 2015 einen neuen Audi Q3 für 30.990 Euro gekauft hatte. Das Landgericht Memmingen hatte die Klage zuvor abgewiesen, weil es in diesem Fall die Volkswagen AG nicht als Schuldigen gesehen hat. Die Münchener Richter waren anderer Meinung und urteilten, dass VW den Kläger vorsätzlich sittenwidrig geschädigt hätte. Das Inverkehrbringen der betrügerischen Umschaltlogik sei „eine konkludente Täuschung“, denn die Audi AG habe als Konzernschwester von Volkswagen seine Kunden nicht über den Mangel informiert. Mit dieser Begründung erhielt der Audi-Fahrer einen Schadensersatz in Höhe von rund 17.474 Euro.

Der für diesen Fall zuständige Anwalt sieht das Urteil als wegweisend an - möglicherweise sogar für die laufende Musterfeststellungsklage am Oberlandesgericht Braunschweig - und spricht von einer Rechtssicherheit für Verbraucher. Wie im “Merkur” zu lesen ist, können diese nun „mit großer Sicherheit davon ausgehen“, dass eine Klage gegen VW oder Audi „erfolgreich endet”.

Bislang nur wenige verbraucherfreundliche OLG-Urteile

Volkswagen hingegen ist sich keiner Schuld bewusst und kündigte eine Berufung an. Zwar gäbe es an Oberlandesgerichten immer mal wieder Entscheidungen gegen den Konzern, doch Unternehmenssprecher Christopher Hauss warte noch immer auf ein Urteil vom Bundesgerichtshof. Nur dieses könne endgültige Klarheit bringen. Dort wird derzeit in zwei Verfahren verhandelt. In beiden Fällen hatte das Oberlandesgericht Braunschweig zugunsten von Volkswagen entschieden und die Kläger sind daraufhin in Berufung gegangen.

Das Münchner Oberlandesgericht hingegen hat nun bewiesen, dass ein solcher Prozess auch anders ausgehen kann. Während man hier bislang in sieben Fällen zugunsten der Autohersteller entschieden hatte, hatte VW dieses Mal das Nachsehen. Gehen die Wolfsburger tatsächlich in Berufung, landet auch diese Klage vor dem Bundesgerichtshof und könnte dort ab Mitte 2020 verhandelt werden.