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08.07.2019 01:30 Uhr

Audi will seine Händler im Dieselskandal beruhigen

 

Vor einigen Tagen berichteten wir darüber, dass Audis verschiedene Abgasstrategien von Dieselautos, unter anderem die unzulässige „Aufwärmfunktion“, teilweise nicht öffentlich gemacht wurden und sogar die Staatsanwaltschaften nicht hierüber informiert wurden. Das beunruhigte nicht nur die Kunden, sondern auch die Audi-Verkäufer.

Letztere sollen nun beschwichtigt werden. Über eine interne Plattform wurden hunderte Händler bundesweit darüber in Kenntnis gesetzt, dass ein Verfahren gegen Audi im Oktober vergangenen Jahres von der Münchner Staatsanwaltschaft abgeschlossen wurde. Demnach muss das Unternehmen ein Bußgeld wegen fahrlässiger Aufsichtspflichtverletzung in Höhe von mehr als 800 Millionen Euro zahlen und tut das auch.

Daraufhin habe Audi neue Strukturen entwickelt, um zukünftig regelkonform zu arbeiten und die internen Verfehlungen im Dieselskandal aufzuarbeiten. Dafür will man mit den Behörden zusammenarbeiten. Laut Staatsanwaltschaft München kooperiert der Autohersteller seit dem Ende des Verfahrens aktiv, um die Sachverhalte aufzuklären.
Täuschungs- und Manipulationsvorwürfe
Das ist auch dringend notwendig, denn wie kürzlich bekannt wurde, steht Audi Täuschungs- und Manipulationsvorwürfen gegenüber dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) entgegen. Es sollen Messergebnisse gefälscht worden sein, um einen Produktionsstopp für viele Dieselmodelle in Europa zu verhindern. Wichtige Erkenntnisse sollen aus Präsentationsunterlagen für das KBA gestrichen worden sein.

Seinen Verkäufern gegenüber spielt Audi die Thematik jedenfalls herunter. Die Erkenntnisse seien nicht neu und liegen der Staatsanwaltschaft München vor. Allerdings nur dieser - Händler und Kunden haben jahrelang keinen Einblick in die belastenden Unterlagen erhalten. Das wird in dem Schreiben nicht erwähnt.

Stattdessen betont Audi, dass bei rund 50 Prozent der zurückgerufenen Fahrzeuge das für die Kunden kostenlose Software-Update für die V6- und V8-Dieselmotoren bereits umgesetzt wurde. Was zunächst positiv klingt, ist allerdings ebenfalls Augenwischerei, denn das KBA hatte vom Hersteller im Januar 2018 gefordert, die Software-Updates innerhalb von vier Wochen einzuspielen. Audi hinkt dem also weit hinterher.

Können die Verbraucher Audi noch trauen?

Immer mehr Kunden und Verkäufer verlieren das Vertrauen in Audi, zumal es im Oktober 2015 hieß, dass weder V6- noch V8-Dieselmotoren des Unternehmens von unzulässigen Abgaseinrichtungen betroffen seien. Doch schon damals lagen der wohl Kommunikationsabteilung, die für die Verbreitung dieser Informationen zuständig ist, Hinweise vor, dass Manipulationen stattgefunden haben könnten. Inzwischen ist bekannt, dass dem so war.
Auch in diese Richtung ermittelt die Staatsanwaltschaft München, denn der Ansprechpartner in dieser Abteilung soll die interne Aufklärung behindert haben, nachdem der Dieselskandal bekannt geworden war. Sie hat nun neues Futter bekommen, denn auch in der aktuellen Mitteilung an die Händler taucht sein Name auf. Äußern möchte er sich dazu nicht und noch gilt die Unschuldsvermutung.

Fahrer der betroffenen Dieselautos müssen diesem Schauspiel nicht tatenlos zusehen, sondern können sich wehren - mit einer Klage gegen den Autohersteller. Immer mehr Gerichte urteilen im Abgasskandal zugunsten der Verbraucher und sprechen ihnen die Rückzahlung des Kaufpreises mit Abzug der gezogenen Nutzungen zu. Das Auto wird dann an den Händler bzw. Hersteller zurückgegeben. Ob sich der Kunden danach wieder für ein Fahrzeug aus dem VW-Konzern entscheidet, ist ihm überlassen. Viele tun es offensichtlich nicht, wie die sinkenden Zahlen der Neuzulassungen vermuten lassen.