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28.08.2019 10:42 Uhr

Der Dieselskandal – vier Jahre zwischen Hoffen und Bangen

Es ist nun vier Jahre her. Im September 2015 räumte Volkswagen auf Druck der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA ein, Stickstoffwerte bei Dieselautos manipuliert zu haben. Seitdem ist viel passiert und längst betrifft der Abgasskandal nicht mehr nur den Wolfsburger Autobauer.

 

Ein Ende von „Diesel-Gate“ ist nicht in Sicht. Dazu müssten sich die Hersteller einsichtig zeigen – doch davon sind sie weit entfernt. Für deutsche Kunden bedeutet das: Eine Entschädigung gibt es nur bei einer erfolgreichen Klage. Denn noch immer gibt es weder einheitliche und für die Verbraucher transparente Lösungen noch eindeutige Gerichtsentscheide.

Zwar wurden in der Vergangenheit offiziell Rückrufaktionen angeordnet, um die Software der betroffenen Motoren zu aktualisieren. Etwa beim EA 189 von Volkswagen, wovon bis Jahresende fast alle Fahrzeuge umgerüstet sein sollen. Dennoch hakt es zum Beispiel bei Audi – der Hersteller hängt im Zeitplan weit zurück. Hier brauchen die Kunden viel Geduld.

Nicht ohne Risiko

 

Doch auch wer sein Fahrzeug für das Software-Update in die Werkstatt gebracht hat, lebt damit nicht zwangsläufig ruhiger. Immer wieder heißt es von Experten, dass durch die Nachrüstung mit Schäden am Motor zu rechnen wäre. Etliche Autofahrer berichten von Defekten, was insofern problematisch ist, weil die Garantie der Autohersteller nicht immer greift – vor allem, wenn das Fahrzeug schon älter ist.

Nun gibt es Hoffnung für die Verbraucher. In den letzten Wochen wurden einige Systeme für eine Hardware-Nachrüstung an mehr als 60 Dieselmodellen genehmigt. Leider nicht ohne Haken: Während Daimler und die Volkswagen AG unter bestimmten Bedingungen bis zu 3.000 Euro der Kosten übernehmen, gilt das nicht für Kunden von BMW und Volvo, welche die Umrüstung komplett selbst bezahlen müssen. Die summiert sich auf mehrere tausend Euro.

Weil das System nicht von den Autobauern, sondern einem Drittanbieter stammt, übernehmen VW & Co. selbstverständlich auch keine Gewährleistung. Ob der Kunde die Nachrüstung in Anspruch nimmt und welche Risiken er damit eingeht, ist allein seine Sache. Auch der Antrag auf die Kostenübernahme kann erst nach dem Werkstatt-Termin eingereicht werden. Möglich ist sie ohnehin nur in Schwerpunktregionen.

Finanzieller Schaden für Verbraucher

 

All das trägt dazu bei, dass der Wertverlust bei Dieselautos noch immer höher ist als bei einem Benziner. Dennoch sind wieder mehr Verbraucher bereit, einen (modernen) Diesel zu kaufen. Fahrern von Modellen mit der alten Euro-5-Norm hilft das freilich wenig. Sie müssen sich damit abfinden, dass sich ihr Fahrzeug weniger gut verkaufen lässt oder das mögliche Dieselfahrverbot ihre Mobilität einschränken könnten. Sie haben allerdings die Möglichkeit, ihre Ansprüche gegen die Autohersteller rechtlich geltend zu machen und den Kaufpreis zurückzufordern.

 

Laut br.de gab es bereits mehr als 37.000 Gerichtsentscheidungen im Dieselskandal, rund 63.000 Urteile für oder gegen VW stehen aktuell noch aus. Einige Verfahren wurden in zweiter Instanz an Oberlandesgerichten verhandelt, wobei Volkswagen mehrheitlich gewann. In zwei Fällen gingen die Kläger in Revision, sodass diese Prozesse nun am Bundesgerichtshof neu aufgerollt werden. Ihr Ausgang ist genauso offen wie der der Musterfeststellungsklage am Oberlandesgericht Braunschweig, die am 30. September 2019 beginnt. Rund 430.000 VW-Kunden hoffen, dass die Richter dieses Mal nicht zugunsten des Autoherstellers urteilen. Eine finale Entscheidung wird jedoch für frühestens 2023 erwartet.