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29.08.2019 10:41 Uhr

Diesel-Nachrüstung: Fluch und Segen zugleich

 

In den letzten Wochen gab es gute Nachrichten für Besitzer von Dieselfahrzeugen der Euro-5-Norm, denn das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat Genehmigungen für einige Nachrüstsysteme erteilt (wir berichteten). Nachdem dies zunächst Modelle von Daimler und Volvo betraf, liegt inzwischen auch die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für Volkswagen-Lösungen vor, für BMW soll sie demnächst folgen.

Für die betroffenen Autofahrer bedeutet eine Nachrüstung ihres Dieselfahrzeugs, dass sie anschließend nicht mehr von einem Fahrverbot betroffen sind. Allerdings ist der dafür notwendige Werkstattbesuch mit Kosten verbunden und die werden oftmals nicht vom Autohersteller übernommen - von Volvo und BMW gar nicht, von Mercedes und Volkswagen nur unter bestimmten Bedingungen.

Katalysator soll Stickstoffausstoß reduzieren

Der Verbraucher muss sich also entscheiden: Entweder nimmt er einige tausend Euro in die Hand und macht sein Fahrzeug fit für die Zukunft. Es erhält einen SCR-Katalysator und einen entsprechenden Eintrag im Fahrzeugschein, der die Umrüstung belegt. Oder er muss mit einer eingeschränkten Mobilität durch Dieselfahrverbote und einem enormen Wertverlust rechnen.

 

In Deutschland sind mehr als fünf Millionen Dieselautos mit Euro-5-Norm unterwegs. Deren Stickstoffausstoß im praktischen Fahrbetrieb liegt oftmals über dem für die Verkehrsverbote relevanten Grenzwert von 270 mg/km. Eigentlich hätten sie damit nie eine Typenzulassung bekommen dürfen, doch bekanntermaßen haben viele Hersteller auf dem Prüfstand getrickst und eine unzulässige Abschalteinrichtung eingebaut. Eine Software erkennt den Prüfmodus (beispielsweise am gleichmäßigen Tempo) und reduziert die Schadstoffemission. Im normalen Straßenverkehr ist das System deaktiviert.

Wohnort entscheidet über 3.000 Euro

Durch eine Nachrüstung wird der Stickstoffausstoß derart reduziert, dass er unter das erlaubte Limit sinkt. Das Ziel: saubere Luft. Das dürfte auch im Sinne der Autofahrer sein, doch das Problem sind die Kosten für den Umbau. Mercedes beteiligt sich mit bis zu 3.000 Euro, jedoch nur für Kunden, die in bestimmten Regionen wohnen. Ähnlich ist es bei Volkswagen.
Die Bundesregierung hat bislang 14 “Intensivstädte” benannt - und auf die beschränkt sich die Kostenübernahme durch Mercedes und VW. Der Besitzer muss sein Fahrzeug dort vor Oktober 2018 zugelassen haben und auch in einem dieser Orte wohnen oder Pendler sein. Das sind beispielsweise Stuttgart, München oder Düsseldorf. Es fehlen aber Städte wie Berlin, obwohl es hier bereits Fahrverbote gibt.

BMW lässt Kunden für die Nachrüstung zahlen

Ob die Kosten übernommen werden, können Kunden vorab auf den Webseiten der Autohersteller checken. BMW weigert sich allerdings bislang, seine Kunden finanziell zu unterstützen und lässt die Autofahrer allein. Laut heise.de ist nicht vor 2021 mit einer Änderung dieser Haltung zu rechnen.

Die Hersteller der Nachrüst-Sets beginnen Ende Oktober mit der Auslieferung. Die Autobauer machen jedoch darauf aufmerksam, dass sie für Einbau und Wirksamkeit der Systeme keinerlei Haftung übernehmen. Sie empfehlen die Nachrüstung aber auch nicht, sondern möchten die Verbraucher vielmehr zu einem Neuwagen überreden. Immerhin haben die Kunden der deutschen Marken die Wahl. Für Diesel anderer Hersteller sieht es ganz düster aus. Hier sind keine Nachrüstsysteme in Sicht, aber Fahrverbote und Wertverlust betreffen auch diese Autofahrer.