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12.06.2019 09:59 Uhr

Ewiges Autokredit-Widerrufsrecht möglich

 

Wer zur Finanzierung seines Fahrzeugs einen Kredit aufgenommen hat, kommt da so schnell nicht raus. Die monatlichen Raten müssen bis zum Ende der Laufzeit gezahlt werden und erst dann ergeben sich neue Optionen - normalerweise. Denn Autofahrer haben eine Chance den Vertrag rückabzuwickeln, wenn der Kreditvertrag fehlerhaft ist.

Autokreditverträge durch einen Anwalt überprüfen zu lassen, kann sich durchaus lohnen. Schon ein kleiner Fehler in den vertraglichen Widerrufsinformationen kann zum Widerruf des Vertrags berechtigen. In diesem Sinne hat zum Beispiel das Oberlandesgericht Düsseldorf geurteilt. Konkret ging es dabei um einen im Oktober 2014 abgeschlossenen Kreditvertrag, mit dem der Kläger einen Neuwagen finanzieren wollte. Fast drei Jahre später entschied er sich zum Widerruf.

Normalerweise ist das unmöglich, denn das Widerrufsrecht erlischt grundsätzlich 14 Tage nach Vertragsabschluss.
Weil in seinem Vertrag jedoch gesetzliche Pflichtangaben fehlten, steht diesem Verbraucher grundsätzlich ein ewiges Widerrufsrecht zu, weil die 14-tägige Frist durch den Fehler nicht zu laufen begann. Was im Kreditvertrag fehlte, war die Angabe zur Aufsichtsbehörde der kreditgebenden Bank, die rechtlich vorgeschrieben ist. Infolge des Urteils konnte der Kläger das Auto zurückgeben und erhielt im Gegenzug alle Raten zurück, die er bereits gezahlt hatte - immerhin mehr als 9.400 Euro.

Allerdings entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf, dass der Verbraucher einen Wertersatz für die gefahrenen Kilometer leisten muss. Das Landgericht München hatte in einem anderen Fall zuvor gegensätzlich entschieden und auf einen Wertersatz verzichtet. Grundsätzlich gilt für die Frage eines zu leistenden Wertersatzes der 13. Juni 2014 (Vertragsabschluss) als Stichtag.

Denn auf Basis einer damals erlassenen Gesetzesänderung zur Umsetzung der EU-Verbraucherrechterichtlinie (RL 2011/83/EU) mit Auswirkung auf das Widerrufsrecht, sind viele Gerichte der Auffassung, dass bei vor diesem Tag abgeschlossenen und erfolgreich widerrufenen Kreditverträgen kein Wertersatz an die Bank gezahlt werden muss.

Vertrag vom Anwalt prüfen lassen

Wer einen Widerruf seines Kreditvertrags erklären will, sollte dies jedoch nicht auf eigene Faust versuchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank den Widerruf ablehnt, ist groß. Anders sieht es mit anwaltlicher Unterstützung aus. Hier stehen die Chancen auf ein Urteil zugunsten des Klägers gut, wenn der Kreditvertrag fehlerhaft ist.
Denn viele Gerichte entscheiden in solchen Fällen zugunsten der Verbraucher.

Die fehlende Angabe zur Aufsichtsbehörde der kreditgebenden Bank ist dabei nicht der einzige Grund für einen Widerruf des Vertrags. So können unter anderem auch fehlende Pflichtangaben zur Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung oder falsche Angaben zum Tageszins zu einem ewigen Widerrufsrecht führen. Entscheidet sich das Gericht dann auch noch gegen die Verpflichtung zur Zahlung eines Wertersatzes an die Bank, hätte der Kläger das Auto komplett kostenfrei genutzt.