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13.09.2019 11:10 Uhr

Hat Volkswagen auch bei Euro-6-Dieseln geschummelt?

 

Der EA 189 hat sich im Rahmen des Dieselskandals zum wohl bekanntesten Motor der Autoindustrie entwickelt. Die darin verbaute unzulässige Abschalteinrichtung stürzte Volkswagen in eine schwere Krise. Betroffen sind Millionen Fahrzeuge mit Euro-5-Norm. Nun will der SWR interne VW-Dokumente gesichtet haben, die auch auf Schummeleien beim Euro-6-Dieselmotor EA 288 hinweisen. Die Volkswagen AG bestreitet diese Vorwürfe genauso wie Behörden und Verkehrsministerium.

Sauberer Diesel nur auf dem Prüfstand

Laut Focus habe der SWR die Unterlagen an einen Abgasexperten weitergeleitet. Axel Friedrich war für die Abgasmessungen der Deutsche Umwelthilfe (DUH) zuständig, bei denen für den EA 189 ein Stickoxidausstoß festgestellt wurde, der die EU-Grenzwerte um ein Vielfaches übersteigt. Damit das auf dem Prüfstand nicht passiert, hat VW eine Software in besagten Dieselmotoren verbaut, die den Prüfmodus erkennt und die Abgase durch die Einspritzung von AdBlue reinigt.

Viele Autohersteller nutzen Fahrkurven in ihren Modellen. Diese könnten auch so konfiguriert werden, dass ein Prüfmodus erkannt wird. Verboten ist das nicht. Allerdings dürfen solche Fahrkurven keinesfalls für die Steuerung der Abgasreinigung und die dadurch mögliche Einhaltung der Stickoxid-Grenzwerte genutzt werden. Das jedoch hatte Volkswagen beim EA 189 getan und auch zugegeben.

Bislang nur eine Vermutung

Friedrich vermutet beim EA 288 ein ähnliches Vorgehen. VW jedoch bekräftigt, dass es weder zu Beginn der Dieselaffäre 2015 noch heute Auffälligkeiten bei Tests gegeben hätte, die auf eine unzulässige Abschalteinrichtung hinweisen. Eine Nachfrage beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zu den Vorwürfen blieb bisher unbeantwortet. Die Behörde ist zuständig für die Typenzulassung und entscheidet damit, ob ein Auto auf den Markt gebracht werden darf oder nicht. Allerdings gab es in der Vergangenheit Rückrufe durch das KBA, die Fahrzeuge mit eben diesem Euro-6-Motor betrafen, darunter für den VW Transporter T6 und den Porsche Cayenne.

Bislang gibt es keine Beweise für den Vorwurf. Sollte er sich allerdings als wahr herausstellen, könnten Millionen weiterer Autofahrer ihren Anspruch auf Schadensersatz vor Gericht geltend machen. Denn wie beim EA 189 hätte Volkswagen seine Kunden auch beim Nachfolgemotor EA 288 vorsätzlich sittenwidrig geschädigt.