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16.08.2019 01:19 Uhr

KBA genehmigt Nachrüstung von Mercedes-Dieselfahrzeugen

 

 

So ärgerlich der Dieselskandal für Autofahrer ist - den Herstellern war es bisher nur schwer möglich, das Problem zu beheben. Grund ist die vielfach fehlende Betriebserlaubnis für Nachrüstungen sowie die ungeklärte Frage, wer dafür die Kosten übernimmt. Nun kommt Bewegung in die Sache.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat eine Betriebserlaubnis für die Nachrüstung von Dieselautos des Daimler-Konzerns erteilt, in der eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist. Das System stammt vom Bamberger Unternehmen Dr Pley SCR Technology GmbH und darf seit Kurzem auch für Fahrzeuge der Marke Volvo genutzt werden. Beim schwedischen Hersteller geht es um eine Nachrüstung der Modelle mit 2- bzw. 2,4-Liter-Motor und Euro-5-Norm, also um den XC60, XC70, S60 und V60.

Bei Mercedes wären die C- und E-Klasse sowie der GLK betroffen, in denen Dieselmotoren der Euro-5-Norm zum Einsatz kommen. Wer ein solches Auto fährt, kann im Internet auf einem Portal von Daimler checken, ob sein PKW für eine solche Hardware-Nachrüstung infrage kommt. Der Autohersteller soll die Dr Pley SCR Technology GmbH übrigens bei der Entwicklung des Systems gut unterstützt haben, so Inhaber Martin Pley.

Zuschuss bis 3.000 Euro

Während Volvo keinerlei Kosten für die Nachrüstung übernimmt, zahlt Daimler privaten Haltern eines Mercedes-Benz oder smart Dieselautos mit der Abgasnorm Euro 5 sowie Vans mit einer M1-Zertifizierung bis zu 3.000 Euro dazu. Vom Zuschuss profitieren jedoch nur Verbraucher in einer von der Bundesregierung definierten Schwerpunktregion und den direkt angrenzenden Landkreisen. Dort muss der Kunde Anfang Oktober 2018 bereits gewohnt haben und auch schon Inhaber des Fahrzeugs gewesen sein. Wie viele Autos am Ende unter diesen Bedingungen wirklich umgerüstet werden können, ist aktuell völlig unklar.

Auch Volkswagen würde sich an einer Nachrüstung finanziell beteiligen, doch für die Modelle des Wolfsburger Konzerns gibt es derzeit noch keine Betriebserlaubnis durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Darum bemüht sich die Baumot Group AG, die ein entsprechendes System für Fahrzeuge mit 1.6 TDI entwickelt hat. Testweise wurde es in einem VW Passat der Euro-5-Norm eingebaut, dessen Stickoxidausstoß sich damit auf rund 130 Milligramm pro Kilometer verringerte.

Harnstofflösung AdBlue soll es richten

Sowohl die Baumot Group AG als auch die Dr Pley SCR Technology GmbH nutzen die Selektive Katalytische Reduktion (SCR) für ihre Systeme. Hierbei wird bei der Verbrennung von Diesel die Harnstofflösung AdBlue in einen Katalysator gegeben, der nachträglich in das Fahrzeug eingebaut wird. Auch ein separater Tank für das AdBlue wird nachgerüstet.
Diese Hardwarelösung stieß bei den Autoherstellern und dem Bundesverkehrsministerium lange auf wenig Gegenliebe. Vielmehr wurden Maßnahmen favorisiert, die sich per Software-Update lösen lassen. Schließlich war es auch beim Abgasskandal eine Software, über die der Stickstoffausstoß in einem mehrstufigen Prozess auf dem Prüfstand so angepasst wurde, dass dort die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten wurden (wir berichteten).

Ende 2018 wurde dann doch eine technische Richtlinie für die Nachrüstung veröffentlicht. Demnach müsse das System mindestens 100.000 Kilometer beziehungsweise 60 Monate einwandfrei funktionieren und den Stickstoffausstoß auf mindestens 270 Milligramm pro Kilometer reduzieren. Die nun für Daimler und Volvo genehmigte Technologie scheint diese Voraussetzungen zu erfüllen. Eine Betriebserlaubnis für BMW wird vom Anbieter für Mitte August erwartet.