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04.09.2019 09:48 Uhr

KBA ordnet Nachrüstung von Audi-Modellen an - und niemanden interessiert es

In den letzten Wochen ist Bewegung in die Aufarbeitung des Dieselskandals gekommen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat für mehr als 60 Modelle der Hersteller Volvo, Daimler und Volkswagen/Seat/Skoda/Audi Nachrüstsysteme genehmigt. Über einen Katalysator sollen die Abgase gereinigt werden, damit der Schadstoffausstoß der Schummel-Diesel nicht nur auf dem Prüfstand unter dem zulässigen Grenzwert liegt, sondern auch auf der Straße.

Damit gibt es nun eine Hardware-Lösung für mehrere Millionen Fahrzeuge, die jedoch nicht verpflichtend ist. Der Kunde darf selbst entscheiden, ob er sein Auto für die Umrüstung in eine zertifizierte Werkstatt bringt. Schließlich ist das mit Kosten verbunden, die von den Autoherstellern nur unter bestimmten Bedingungen übernommen werden - wenn überhaupt.

Frist seit anderthalb Jahren abgelaufen

Zuvor gab es lediglich Software-Lösungen. So hatte das KBA die VW-Tochter Audi Ende 2017 zu einem Rückruf bestimmter Modelle aufgefordert, in denen eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut war. Ein Software-Update sollte dieses Problem beheben. Die Behörde schicke den Ingolstädtern auch eine Frist mit: Audi hatte bis zum 29.12.2017 Zeit, die technische Maßnahme für den A4 und A5 der Euro-6-Norm und einen Zeitplan für die Umrüstung vorzulegen. Später war in einer Pressemitteilung des KBA von einem sofortigen Vollzug zu lesen.

Das ist anderthalb Jahre her. Was ist seitdem passiert? Nicht viel, wie aus einem Schreiben der Bundesregierung hervorgeht, das dem Handelsblatt vorliegt. Audi hat es bislang offenbar noch nicht mal für nötig gehalten, alle Formulare des KBA auszufüllen. Software-Updates gibt es bis dato nur für den Q5 und den SQ5. Für alle anderen Modelle liegen laut Verkehrsministerium noch keine Unterlagen vor. Die Konsequenz: keine Freigabe der Software-Updates.
Die Frage, ob es technisch nicht möglich ist, machbare Lösungen zu präsentieren, oder ob Audi die Vorgaben des Kraftfahrt-Bundesamtes schlichtweg egal sind, lässt sich nicht beantworten. Fakt ist: Es scheint weder das KBA noch die Bundesregierung zu stören, dass die Fristen seit über einem Jahr abgelaufen sind.

KBA könnte Stilllegung anordnen

Sanktionen? Fehlanzeige! Die jedoch könnte die Behörde durchaus verhängen. Sie ist für die Typengenehmigung aller Fahrzeugmodelle zuständig - und kann diese auch wieder entziehen. Vermutlich hätten die Schummel-Diesel nie eine Zulassung erhalten, wenn dem KBA damals bekannt gewesen wäre, dass die Schadstoff-Grenzwerte nur auf dem Prüfstand eingehalten werden. Doch die einzige “Strafe” bislang ist, dass solche Neuwagen nicht mehr verkauft werden dürfen. Das jedoch versteht sich von selbst.

Andererseits würde eine Stilllegung der betroffenen Dieselautos vor allem die Autofahrer und weniger den Hersteller selbst treffen. Vielleicht halten sich Behörden und Regierung auch deswegen zurück. Und so sind weiterhin rund 150.000 Audi mit viel zu hohem Stickstoffausstoß auf deutschen Straßen unterwegs. Beispielsweise der A8, dessen Wert bei einem Test der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bei durchschnittlich 1.422 Milligramm (mg) Stickoxid pro Kilometer lag - weit mehr als bei alten Euro-4-Dieseln. Dabei handelte es sich jedoch um ein Modell der Euro-6-Norm, für das eigentlich 80 mg pro Kilometer erlaubt sind.