Kraftfahrt-Bundesamt widerspricht sich bei VW-Diesel EA 288 selbst
25.09.2020

Kraftfahrt-Bundesamt widerspricht sich bei VW-Diesel EA 288 selbst

Nachdem die Ermittler der Braunschweiger Staatsanwaltschaft am Dienstag Geschäftsräume von Volkswagen in Wolfsburg durchsucht haben, kommt der Autohersteller wieder einmal in Erklärungsnöte. Doch auch das Kraftfahrt-Bundesamt muss sich Kritik stellen.

Bei den aktuellen Ermittlungen, im Dieselskandal, geht es um den Dieselmotor EA 288. Dabei handelt es sich um den Nachfolger des EA 189, mit dem der Abgasskandal 2015 ins Rollen kam. Der EA 288 ist ein Euro-6-Motor und wird in vielen aktuellen Modellen der Marken Volkswagen, Seat und Skoda eingesetzt. Nachdem der SWR vor zwei Monaten darüber berichtet hatte, dass auch in diesem Selbstzünder eine unzulässige Abschalteinrichtung vermutet wird, hatte das Bundesverkehrsministerium höchst offiziell dementiert und sich auf das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bezogen. Dieses hatte den Motor schon 2016 untersucht und bei seinen Messungen keine Ungereimtheiten feststellen können.

VW-Motor nun doch manipuliert?

Das KBA hatte damals unter anderen einen VW Touareg 3.0 unter die Lupe genommen und nichts Verdächtiges gefunden. Doch 2017 gab es plötzlich einen Rückruf für dieses Fahrzeug mit der Aufforderung an den Hersteller, die darin verbaute Manipulationssoftware zu beseitigen. Auch andere Modelle aus der 2016er-Untersuchungen mussten inzwischen zurückgerufen werden, obwohl damals keine illegale Abschalteinrichtung gefunden wurde.

Nun geht die Staatsanwaltschaft dem Verdacht nach, dass das Onboard-Diagnose-System (OBD) in einigen VW-Modellen nicht gesetzeskonform arbeitet. Gemäß EU-Vorschrift 692/2008 hat das OBD dem Bordcomputer zu melden, wenn die Abgasreinigung nicht korrekt funktioniert oder gar deaktiviert ist. Der Fahrer würde daraufhin eine Fehlermeldung angezeigt bekommen. Unabhängige Untersuchungen und Messungen des KBA hätten ergeben, dass das OBD dies nicht tut. Die teils massiven Grenzwertüberschreitungen blieben damit unbemerkt.

Volkswagen wird im Zuge dessen vorsätzlicher Betrug beim EA 288 vorgeworfen. Doch das Unternehmen bestreitet das. Motorexperten hingegen sind sich nach Sichtung interner Dokumente sicher, dass der Autohersteller nicht die Wahrheit sagt und die technischen Modifikationen beim EA 288 herunterspielt. Das KBA schweigt hingegen und äußerte sich auf Anfragen des SWR nicht.

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