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25.06.2019 08:03 Uhr

Mercedes muss wohl hunderttausende Dieselautos zurückrufen

 

September 2015: Nachdem bei Tests in den USA ein dramatisch erhöhter Stickoxidausstoß bei VW-Modellen festgestellt wurde, musste Volkswagen nach mehreren halbherzigen Erklärungsversuchen eingestehen, eine Manipulations-Software in Dieselfahrzeugen eingesetzt zu haben. Während der IAA in Frankfurt am Main ging die US-Umweltschutzbehörde mit ihren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit und der Dieselskandal kam ins Rollen.

Inzwischen sind fast vier Jahre vergangen, in denen noch weitere Autohersteller ins Visier geraten sind. Darunter auch die Daimler AG. Aktuell sieht sich das Unternehmen einem Zwangsrückruf des Modells GLK 220 Baujahr 2012 bis 2015 durch das Kraftfahrtbundesamt ausgesetzt. Auch in diesen Dieselfahrzeugen soll eine Betrugssoftware verbaut sein. Betroffen sind rund 60.000 Autos.

Sagt Daimler die Wahrheit?

Mit einer sogenannten Kühlmittel-Sollwert-Temperaturregelung sollen die Ergebnisse bei Abgastests verfälscht worden sein. Das führt zu einer verzögerten Erwärmung des Motorenöls und damit zu niedrigen Stickoxidwerten. Freilich kommt diese Methode im Alltag nicht zum Tragen und die Schadstoffbelastung liegt dann über den erlaubten Grenzwerten. Im Moment sieht alles danach aus, als würde es Daimler nicht anders ergehen als dem VW-Konzern. Bislang hatte das Unternehmen die Manipulation verneint, doch nun schwindet das Vertrauen.

Deswegen will das Kraftfahrtbundesamt jetzt auch die Mercedes C- und E-Klasse hinsichtlich einer Betrugssoftware überprüfen, denn auch hier kommen die Motoren OM 642 und OM 651 aus dem GLK 220 zum Einsatz. Bestätigt sich der Verdacht, müsste Mercedes hunderttausende Fahrzeuge zurückrufen.

Das Unternehmen hat bereits reagiert und einen dreistelligen Millionenbetrag für Verfahren und Dieselumrüstungen zurückgelegt. Entsprechend mussten die Gewinnerwartungen für 2019 nun gesenkt werden. Der operative Gewinn würde jetzt voraussichtlich nur noch im Bereich des Vorjahresergebnisses liegen und nicht wie zuvor erwartet bei einem Plus von 5 bis 15 Prozent vor Zinsen und Steuern. Auch 2018 wurde eine Gewinnwarnung aus demselben Grund ausgegeben.

Nicht der erste Rückruf im Dieselskandal

Es läuft einfach nicht für Daimler. Schon im vergangenen Jahr wurden europaweit fast 700.000 Autos zurückgerufen, ebenfalls auf Anordnung des Kraftfahrtbundesamtes. In Deutschland betraf das etwa 280.000 Fahrzeuge des Kleintransporters Vito sowie einige Modellen der C-, E- und S-Klasse und der SUVs GLC, GLE und GLS. Der Konzern hatte die Verwendung von Manipulationssoftware dennoch bestritten.

Darüber hinaus gibt es derzeit weitere Rückrufe, die zwar nichts mit der einer Softwaremanipulation zu tun haben, aber dennoch Kosten bei Daimler verursachen. Einige Fahrzeuge der A-Klasse haben Schwachstellen bei der Verschweißung zwischen Bremspedalhebel und -platte. Rund 2.000 Autos sollen in Mercedes-Vertragswerkstätten überprüft werden. Und auch beim viertürigen AMG GT könnte es Probleme geben. Hier sind die seitlichen Radarsensoren der Grund. Weltweit müssen rund 100 Fahrzeuge zur Neucodierung in die Werkstatt.

Droht auch Mercedes eine Klagewelle?

Man darf gespannt sein, wie sich das Thema auch aus rechtlicher Sicht weiterentwickelt. Immer mehr deutsche Gerichte geben VW-Kunden Recht, die ihre betroffenen Dieselfahrzeuge zurückgeben und den Kaufpreis erstattet haben wollen. Selbst der Bundesgerichtshof hat inzwischen in einem Hinweisbeschluss (Az. VIII ZR 225/17) eindeutig Stellung bezogen und die unzulässige Abschalteinrichtung durch Volkswagen als Sachmangel eingestuft.
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, droht dieses Schicksal auch Mercedes. Sammelklagen könnten dann auch diesen Autohersteller in Zukunft viele Millionen Euro kosten. Nicht umsonst hat das Unternehmen bereits Rücklagen gebildet. Man wird wissen, warum.