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15.07.2019 11:59 Uhr

Ökosteuer macht Flüge ab Frankreich teurer

 

Wer ab dem kommenden Jahr von einem französischen Flughafen reist, muss mit höheren Ticketpreisen rechnen. Grund ist eine von der Regierung beschlossene Ökosteuer. Der Umweltrat um Präsident Emmanuel Macron plant, die Abgabe im Haushaltsgesetz 2020 einzubringen. Aus den Einnahmen von geschätzt 180 Millionen Euro pro Jahr soll die Infrastruktur umweltfreundlicher Verkehrsmittel ausgebaut werden, primär die Bahn.

Demnach gäbe es in Zukunft pro Ticket einen Aufschlag zwischen mindestens 1,50 Euro für einen Inlandsflug in der Economy Class und 18 Euro für Langstrecken-Businessflüge, so Verkehrsministerin Elisabeth Borne. Von der Ökosteuer ausgeschlossen sollen Umsteigeverbindungen auf französischem Boden sein. Auch Flüge nach Korsika sowie in französische Überseegebiete bleiben verschont.

An der Börse hatte die Nachricht ein kleines Beben ausgelöst. Die Aktienkurse zahlreicher Fluggesellschaften sanken. Air France-KLM dotierte zeitweise mit 3,9 Prozent im Minus, bei der Lufthansa waren es über zwei Prozent.

Abgabe in Deutschland bereits seit 2011

In Frankreich ist die Ökosteuer ein Novum, in Deutschland gibt es die sogenannte Luftverkehrsabgabe schon seit 2011. Deren Höhe ist im Laufe der Jahre gesunken. Pro Fluggast wird seit 2019 eine Steuer von 7,38 Euro für Kurzstreckenflüge, 23,05 Euro für die Mittelstrecke und 41,49 für Langstreckenflüge durch die Zollverwaltung erhoben. Ursprünglich waren es 8, 25 bzw. 45 Euro. In der Regel werden die Steuern von den Fluggesellschaften auf den Ticketpreis aufgeschlagen.

2018 nahm der Bund so fast 1,2 Milliarden Euro ein. Auch in anderen Ländern gibt es derartige Abgaben, etwa in Österreich und Großbritannien. In den Niederlanden, Malta und Dänemark wurde die Luftverkehrsabgabe hingegen inzwischen wieder abgeschafft.

Die Einführung der nationalen Ökosteuer geht Frankreich jedoch nicht weit genug. Die Regierung in Paris fordert eine europaweite Flugsteuer. Unterstützt wird der Plan von Belgien und den Niederlanden. Auch SPD-Bundesumweltministerin Svenja Schulze scheint nicht abgeneigt, zumal Bahntickets inzwischen oftmals teurer sind als Flüge zum selben Zielort.
Eine Studie des Verbands Transport & Environment im Auftrag der EU-Kommission besagt, dass eine europaweite Besteuerung von Kerosin den Kohlendioxid-Ausstoß durch den Flugverkehr um etwa elf Prozent reduzieren könnte, weil durch die teureren Tickets weniger Leute fliegen würden. Allerdings würde dieser Schritt auch viele Jobs kosten.

Kommt die Kerosinsteuer in Deutschland?

Dass es bislang keine Kerosinsteuer gibt, ist auch in Deutschland immer wieder Streitthema. Das Umweltbundesamt verlangt schon seit Jahren eine Einstellung der indirekten Subventionen für den Flugverkehr und auch der Deutschen Bahn ist das ein Dorn im Auge. Darüber hinaus entfällt die Mehrwertsteuer bei internationalen Flügen. Aktuell wird die Einführung einer Steuer auf Flugbenzin durch die Bundesregierung geprüft. Sie würde laut Finanzministerium mindestens 500 Millionen Euro in die Staatskasse spülen.
Neben den Autofahrern geraten nun also auch Flugreisende verstärkt ins Visier der Politik. Allerdings ist die Bahninfrastruktur längst nicht überall derart gut ausgebaut, dass ein Umstieg auf umweltfreundlichere Alternativen für jeden problemlos möglich ist