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20.09.2019 08:16 Uhr

Schnell und risikolos gegen VW prozessieren: Die Alternativen zur Musterfeststellungsklage

Bei der Frage, wie VW-Kunden im Dieselskandal zu ihrem Recht und einem angemessenen Schadensersatz kommen, gibt es mehrere Antworten. Der leichteste Weg ist sicherlich die Teilnahme an der Musterfeststellungsklage, die ab dem 30. September am Oberlandesgericht Braunschweig verhandelt wird. Die schnellste Option ist das jedoch nicht.
Vielen Verbrauchern geht es bei einer Klage vor allem um ein möglichst geringes (finanzielles) Risiko. Aus diesem Gesichtspunkt wird oft empfohlen, sich er Musterfeststellungsklage gegen die Volkswagen AG anzuschließen. Das haben bereits mehr als 430.000 Autofahrer getan, die jedoch einen langen Atem brauchen, denn die Klage wird sich über mehrere Jahre hinziehen.

Alternative 1: Rechtsschutzversicherung

Doch es gibt andere Optionen, bei denen ein Erfolg vor Gericht schneller möglich ist. Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, kann ohne finanzielles Risiko gegen den Hersteller seines Schummel-Diesels klagen. Es gibt inzwischen zahlreiche Urteile zugunsten der Verbraucher. Anders als bei der Musterfeststellungsklage kann der Kläger in diesem Fall selbst bestimmen, wie weit er geht und ob er sich beispielsweise auf einen Vergleich einlässt.

Bei einem Sieg vor Gericht gehört der Schadensersatz allein dem Verbraucher, bei einer Niederlage zahlt die Rechtsschutzversicherung. Allerdings gibt es auch Stolpersteine - deswegen sollte man sich vor dem Prozess bei der Versicherung eine Zusage einholen, dass sie die Kosten am Ende auch wirklich übernimmt.

Alternative 2: Prozesskostenfinanzierung

Wer über keine Rechtsschutzversicherung verfügt, hat ebenfalls die Möglichkeit, ohne finanzielles Risiko zu klagen. Hier sind Kanzleien mit angeschlossenem Prozesskostenfinanzierer der Musterfeststellungsklage vorzuziehen. So sieht es auch Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip. Dadurch ist der Kläger bei einer Niederlage vor Gericht finanziell abgesichert und zahlt bei einem positiven Urteil eine Erfolgsprovision an den Prozesskostenfinanzierer.

Ob es zu einem Prozess kommt, entscheidet allerdings der Geldgeber. Er prüft im Vorfeld die Faktenlage und wägt die Chancen und Risiken ab. Dennoch ist dieser Weg die erste Wahl für alle, die keine Rechtsschutzversicherung haben.

Lange Musterfeststellungsklage kann Schadensersatz minimieren

Terhagen weist neben der langen Prozessdauer auf einen weiteren Nachteil der Musterfeststellungsklage hin. VW-Kunden im Anschluss ihren Schadensersatz mit einer Einzelklage einfordern, denn die Musterfeststellungsklage entscheidet nur über Schuld oder Unschuld des Autoherstellers, nicht aber über individuelle Entschädigungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es nach dem Prozess am Oberlandesgericht Braunschweig zunächst noch an den Bundesgerichtshof geht, bevor überhaupt eine bindende Entscheidung gefällt wurde, ist zudem hoch.

Auf einen Vergleich wird sich die Volkswagen AG eher nicht einlassen und vielmehr versuchen, das Verfahren in die Länge zu ziehen. Denn in der Regel wird bei der Berechnung des Schadensersatzes vom Kaufpreis des Fahrzeugs eine Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer abgezogen. Bei einem langen Prozess summieren sich die Kilometer immer weiter und VW muss weniger Schadensersatz zahlen.

Es kann also passieren, dass sich eine Individualklage nach Abschluss der Musterfeststellungsklage aufgrund des geringen zu erwartenden Schadensersatzes für viele Autofahrer gar nicht mehr lohnt. Daher lieber gleich selbst klagen und schneller ans Geld kommen.