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01.08.2019 08:28 Uhr

Staatsanwaltschaft München klagt Ex-Audi-Chef Stadler im Dieselskandal an

Viele Autofahrer werden die Nachricht am Mittwoch mit Erleichterung vernommen haben. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat den ehemaligen Audi-Chef Stadler angeklagt. Ihm werden gleich drei Vergehen im Abgasskandal vorgeworfen: Betrug, mittelbare Falschbeurkundung und strafbare Werbung. Allerdings ist noch unklar, ob es überhaupt zu einem Prozess am Landgericht München II kommt.

Laut der Behörde hätte Stadler den Verkauf der manipulierten Dieselfahrzeuge in Europa nach Bekanntwerden der Abgasaffäre im September 2015 nicht unterbunden. Es geht um mehr als 250.000 Fahrzeuge der Marke Audi, fast 72.000 Autos von VW und über 112.000 PKW von Porsche, die der Konzern in Europa und den USA an Kunden verkauft hat.

Vier Anklagen erhoben

Neben dem 56-Jährigen wurde Anklage gegen drei Mitarbeiter erhoben, die Motoren für Porsche, Volkswagen und Audi entwickelt haben sollen, in denen die unzulässige Steuerungssoftware zum Einsatz kam. Damit wurden die Abgaswerte auf dem Prüfstand derart abgesenkt, dass die Fahrzeuge problemlos eine Zulassung bekamen. Bekanntermaßen liegt der Stickstoffausstoß im Alltagsbetrieb auf der Straße aber um ein Vielfaches höher und übersteigt die zulässigen Grenzwerte.

Stadler wird zudem die Beeinflussung von Zeugen vorgeworfen. Schon im Juni 2018 wurde er in Ingolstadt festgenommen und saß anschließend mehrere Monate in U-Haft. Er kam nur gegen Auflagen frei. Ihm wurde untersagt, Kontakt zu Personen aufzunehmen, die im Ermittlungsverfahren eine Rolle spielen. Kurz vor seiner Festnahme hatte Stadler die unzulässige Software als Versehen bezeichnet.

Anders als bei einem bereits laufenden Verfahren gegen mehrere VW-Manager in Braunschweig, darunter Ex-Konzernchef Martin Winterkorn, geht es bei Stadler nicht darum, ob er bereits vor September 2015 von der Dieselaffäre wusste. Hätte der Ex-Audi-Chef damals zur Aufklärung beigetragen, müsste er sich jetzt wahrscheinlich nicht mit einem drohenden Prozess beschäftigen. Stattdessen machte er weiter wie zuvor, ließ die manipulierte Abschalteinrichtung einbauen und half den Behörden nicht weiter. Im Gegenteil: Er beurlaubte beispielsweise Belastungszeugen im Unternehmen.

Ermittlungen nicht nur bei VW und Audi

Während die vier Angeklagten nun darauf warten, ob es zu einem Prozess kommt, zittern auch 23 weitere Beschuldigte, gegen die ebenfalls ermittelt wird. Hier wird es wohl nicht zu einer Anklage kommen, aber es drohen empfindliche Bußgelder. Ein Bußgeld musste auch Porsche schon bezahlen. Angeklagt oder inhaftiert wurde dort bislang zwar niemand, doch die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Mitarbeiter des Sportwagenherstellers, der seine Dieselmotoren von Audi bezieht. Daimler, Bosch und Opel sind ebenfalls ins Fadenkreuz der Justiz geraten, während sich der Betrugsverdacht bei BMW nicht bestätigte.