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06.08.2019 07:16 Uhr

Über 100.000 VW-Diesel in den USA verschrottet

Während in Deutschland Tausende Verbraucher gegen Volkswagen vor Gericht ziehen, um ihre Schadensersatzansprüche im Abgasskandal geltend zu machen, hatten es die VW-Kunden in den USA einfacher. Dort musste der Autohersteller die Fahrzeuge mit manipulierter Abschalteinrichtung zurückkaufen und die Autofahrer entschädigen.

Und so standen zeitweilig fast 400.000 Diesel-PKW auf 37 Parkplätzen überall in den USA, etwa an einer Rennstrecke südlich von Colorado Springs, am Hafen von Baltimore oder unweit des Atomkraftwerks Satsop. Einen Teil davon hat VW mittlerweile nachgerüstet und wieder verkauft - von rund 160.000 Autos ist die Rede. Das ist allerdings nicht mal die Hälfte der zurückgekauften Fahrzeuge.

Umrüstung nicht immer sinnvoll

Um den Bestand bis Mitte 2020 vollständig loszuwerden, wurden daher über 100.000 Diesel verschrottet. VW gibt als Grund zu hohe Laufleistungen oder einen schlechten Zustand der Autos an. Beides mache eine Umrüstung unsinnig, bei der neben einem Software-Update auch ein anderer Partikelfilter und ein SCR-Kat eingebaut werden sollen.
Die Verschrottung geschah keinesfalls auf Weisung der US-Umweltbehörde EPA, die den Dieselskandal 2015 öffentlich gemacht hatte. Vielmehr hat die Behörde dem Konzern 2018 erlaubt, die Fahrzeuge bis auf wenige Ausnahmen nachzurüsten.

Doch auch wenn sich die riesigen Parkflächen inzwischen massiv geleert haben, wird Volkswagen wohl längst nicht alle Autos gegen Geld los. Und so bleibt dem Unternehmen in vielen Fällen offenbar nur die Verschrottung.

Steigender VW-Absatz in den USA

Die US-amerikanischen Kunden scheinen den Abgasskandal mittlerweile schon fast vergessen zu haben. Im Juli konnte VW knapp 13 Prozent mehr verkaufen als im gleichen Monat des Vorjahres. Fast 32.000 VW-Modelle wechselten den Besitzer.

Überhaupt läuft es für den Konzern 2019 in den USA recht gut - mit über sechs Prozent Absatzplus in den ersten sieben Monaten des Jahres hätte wohl kaum jemand gerechnet. Noch besser sieht es für Porsche mit fast 25 Prozent mehr verkauften Fahrzeugen aus. Auch Audi verzeichnet leichte Zuwächse.

Und so verwundert es nicht, dass die Volkswagen AG ihren operativen Gewinn im ersten Halbjahr 2019 um 1,9 Prozent auf 10 Milliarden Euro steigern konnte. Hersteller wie BMW und Mercedes können davon bislang nur träumen. VW rechnet über das Jahr gesehen mit einem Zuwachs um fünf Prozent über alle Marken hinweg und zeigt sich damit weiterhin optimistisch.

Die Justiz hat den Dieselskandal allerdings noch längst nicht zu den Akten gelegt. Zwei ehemalige VW-Manager wurden in den USA bereits zu Haftstrafen verurteilt, gegen weitere Beteiligte wird ermittelt. Und auch in Deutschland sind die Behörden nicht untätig. So wurde Ende Juli wegen Betrugs, mittelbarer Falschbeurkundung sowie strafbarer Werbung Anklage gegen den Ex-Audi-Chef Rupert Stadler erhoben (wir berichteten) und auch der frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn muss sich vor Gericht verantworten.