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24.07.2019 10:22 Uhr

Volkswagen macht Mitarbeiterin für Dieselskandal verantwortlich

Volkswagen macht Mitarbeiterin für Dieselskandal verantwortlich

 

Im Dieselskandal rollen Köpfe. Nachdem in den USA bereits ehemalige VW-Manager zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurden und in Deutschland hochrangige Konzern-Vorstände beurlaubt wurden, werden intern mit allen Mitteln Schuldige gesucht. So wurde 2018 einer VW-Ingenieurin gekündigt, die von den Manipulationen an Dieselautos gewusst und den Betrug gedeckt haben soll. Nun geht dieser Fall in die nächste Runde.
Volkswagen hat Klage gegen die Die 52-Jährige hatte eine Kündigungsschutzklage eingereicht und Volkswagen forderte hingegen Schadensersatz. Am Donnerstag beginnt die Verhandlung am Arbeitsgericht Braunschweig. Hierbei soll neben dem Bestehen der Schadensersatzforderung auch geklärt werden, ob die Kündigung überhaupt rechtens war. Die Frau hatte 23 Jahre für das Unternehmen gearbeitet und es von der Verfahrenstechnikerin ins Management geschafft.

Trifft es wirklich die Richtige?

Nachdem die Ingenieurin während des Abgasskandals sogar noch befördert wurde, folgte vor einem Jahr die Kündigung. Ihr Name war Volkswagen bei der Einsicht in die Gerichtsakten aufgefallen. Der Vorwurf: Implementierung und Weiterentwicklung der Schummel-Software. Darüber hinaus soll sie belastendes Beweismaterial vernichtet haben. Doch, wenn überhaupt, tat sie das freiwillig?

Die Klage könnte sich zum Präzedenzfall entwickeln. Sollte Volkswagen damit Erfolg haben, droht dieses Schicksal weiteren Mitarbeitern. Gemäß dem Unternehmen ist die Sache klar: Mitarbeiter in leitenden Funktionen hätten die Pflicht, derlei Verstöße wie den Einsatz einer unzulässigen Abschalteinrichtung zu melden, so ein Anwalt des Konzerns.

Schadensersatz in Milliardenhöhe gefordert

Volkswagen will den Dieselskandal auf eine Handvoll Ingenieure abwälzen. Dieser hat VW vor allem in den USA viel Geld gekostet. Am Arbeitsgericht Braunschweig geht es um einen Schadensersatz von 33 Milliarden Euro - eine Summe, die surreal erscheint und unmöglich einer einzigen Person auferlegt werden kann. Sie hatte zuletzt 15.000 Euro brutto pro Monat verdient.

Auch der Autohersteller wird sich der Tatsache bewusst sein, dass die ehemalige Mitarbeiterin bei einer Verurteilung den Schadensersatz niemals in dieser Höhe begleichen kann. Deswegen geht es dem Unternehmen auch in erster Linie darum, ob es überhaupt Schadensersatz von seinen Angestellten verlangen kann.

Es ist jedoch schwer vorstellbar, dass der Vorstand nichts von der Schummel-Software gewusst haben will und allein die mittlere Führungsebene für den Dieselskandal verantwortlich sein soll. Zwar wurde der Ex-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn inzwischen ebenfalls angeklagt, doch der Prozess beginnt frühestens 2020. Solange bekommt er selbstverständlich weiterhin sein Altersruhegeld von 3.100 Euro - pro Tag.

Wie entscheidet das Gericht?

Das stößt bei den VW-Kunden ebenso wenig auf Gegenliebe wie das Abwälzen des Dieselskandals auf die Mitarbeiter. Das Vertrauen der Verbraucher holt sich der Autohersteller auf diese Weise jedenfalls nicht zurück. Zudem ist der Ausgang des Gerichtsprozesses völlig unklar, auch wenn sich Volkswagen im Recht sieht.
Vor einigen Jahren hatte die Deutsche Bank einen ähnlichen Weg eingeschlagen und ehemaligen Angestellten die Schuld für kriminelle Machenschaften innerhalb des Konzerns in die Schuhe schieben wollen. Am Ende entschied das Arbeitsgericht Frankfurt jedoch, dass das Unternehmen selbst dafür verantwortlich war. Die Kündigungen seien daher unwirksam gewesen. VW könnte es nun ähnlich ergehen.

Update vom 26.07.2019

Inzwischen ist der Hammer gefallen und das Arbeitsgericht Braunschweig erklärte die Kündigungder Ingenieurin Stefanie J. (52) für unwirskam. Auch die Schadensersatzansprüche, die VW forderte, wurden vom Gericht abgewiesen.