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10.10.2019 09:52 Uhr

Dieselskandal für VW noch lange nicht ausgestanden

In den Medien ist es ruhig geworden um den Dieselskandal. Doch der Schein trügt - die Abgasaffäre ist für die Autohersteller noch längst nicht ausgestanden. Vor allem Volkswagen wird beinahe wöchentlich mit neuen Vorwürfen und Prozessen konfrontiert. Dabei setzt der Konzern doch eigentlich alles daran, das Geschehene vergessen zu machen, etwa mit neuen Elektromodellen und der Planung tausender Ladestationen.

VW-Manager angeklagt

Ende September begann am Oberlandesgericht Braunschweig die Verhandlung der Musterfeststellungsklage gegen die Volkswagen AG, geführt vom Bundesverband Verbraucherzentrale im Auftrag von rund 470.000 VW-Kunden. Darüber hinaus veröffentlichte die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ihre Anklage am Landgericht gegen VW-Chef Herbert Diess, den ehemaligen Konzernboss Martin Winterkorn und den aktuellen Aufsichtsrats- und ehemaligen Finanzchef Hans Dieter Pötsch (wir berichteten).

Den drei führenden Managern wird Marktmanipulation und damit Einfluss auf den Börsenkurs der Volkswagen AG vorgeworfen. Sie sollen die Kapitalmärkte nicht rechtzeitig über die drohenden Strafzahlungen in den USA informiert haben. Immerhin ein Verlust von 19 Milliarden Dollar für das Unternehmen. Inzwischen ist die Summe auf über 30 Milliarden Dollar angestiegen.

Eine entsprechende Mitteilung des Autoherstellers gab es zwar - jedoch erst nachdem die US-Umweltbehörde EPA den Dieselskandal veröffentlicht hatte. Damals war der Aktienkurs innerhalb von zwei Wochen von knapp 170 Euro auf rund 105 Euro abgestützt. Das haben die Manager wohl verhindern wollen - nun droht ihnen deswegen der Prozess, der so gar nicht ins Bild der sauberen VW-Zukunft passen will.

Verfahren um Musterfeststellungsklage zieht sich hin

Derweil geht es bei der Musterfeststellungsklage in Braunschweig um Schadensersatz für mehr als 400.000 Kunden wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung in Dieselautos des Konzerns. Das Verfahren wird sich wohl jahrelang hinziehen. Die Zeit spielt Volkswagen in die Karten, denn je älter die Fahrzeuge, desto weniger Schadensersatz. In der Regel ziehen die Gerichte vom zu erstattenden Kaufpreis eine Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer ab. Wenn die Braunschweiger Richter ebenso entscheiden, dürften viele Verbraucher leer ausgehen.

In der Vergangenheit gab es bereits rund 60.000 Prozesse gegen VW. In vielen Urteilen wurde den Klägern Schadensersatz zugesprochen. Der Vorteil dieser Einzelklagen: Sie dauern in der Regel weniger als ein Jahr, was die Nutzungsentschädigung deutlicher geringer ausfallen lässt als es bei der Musterfeststellungsklage zu befürchten ist. Wer sich nicht in das Klageregister eingetragen hat, hat die Möglichkeit, selbst vor Gericht zu ziehen - mit einem Dienstleister wie LawButler und einer Prozesskostenfinanzierung für den Fall, dass keine Rechtsschutzversicherung die Kosten übernehmen würde.

Investoren klagen ebenfalls

Doch nicht nur VW-Fahrer prozessieren, sondern auch zahlreiche Investoren. Sie sehen es wie die Staatsanwaltschaft Braunschweig und fühlten sich zu spät über den Dieselskandal informiert. Zwar liegt der Börsenkurs inzwischen wieder bei 149 Euro pro Aktie, doch viele Anleger haben immense Verluste erlitten, die man wohl hätte verhindern können. Ein Verfahren der Investoren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) läuft seit Herbst 2018. Ein Urteil ist nicht vor Ende 2020 zu erwarten. Es geht um rund neun Milliarden Euro.


Quelle: https://www.manager-magazin.de/lifestyle/artikel/volkswagen-ag-dunkler-schatten-auf-management-und-aktie-a-1288560.html