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26.07.2019 08:36 Uhr

Von AdBlue bis zur Sammelklage: Audis Rolle im Abgasskandal

Es ist mehr als zwölf Jahre her als Audi auf der Detroit Motorshow das revolutionäre AdBlue für PKW vorstellte - eine aus Harnstoff und Wasser bestehende Flüssigkeit, welche die von Dieselmotoren erzeugten Stickoxide unschädlich machen soll. AdBlue soll die Diesel der Ingolstädter sauberer machen.

 

Heute gilt Audi als einer der Drahtzieher im Abgasskandal. Der Traum von umweltfreundlichen Dieselmotoren, wie sie damals versprochen wurden, scheint wie eine Seifenblase zerplatzt zu sein. 2009 kommt mit dem Audi Q7 3.0 TDI ein angeblicher “Clean Diesel” auf den Markt. Die Technik wird auch im VW Touareg eingesetzt. Zur gleichen Zeit wird der kleinere EA 189 Dieselmotor in den ersten Modellen verbaut. Er wird in den Jahren darauf millionenfach in Fahrzeugen der Marken VW, Seat, Audi und Skoda genutzt.

Im Labor hui, auf der Straße pfui

Sechs Jahre später beginnt die Fassade zu bröckeln. Der Vorwurf der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA Richtung Volkswagen: Der Schadstoffausstoß bei den Dieselautos des Konzerns wurde mittels Software manipuliert. Im Labor werden die Grenzwerte problemlos eingehalten, auf der Straße jedoch um ein Vielfaches übertroffen. VW leugnet nicht und auch Audi gibt den Betrug beim 3.0 TDI im November 2015 zu.

Als Bundesverkehrsminister Dobrindt im Frühjahr 2016 die Ergebnisse der "Untersuchungskommission Volkswagen" veröffentlicht, wird klar: Kaum ein Hersteller schummelt nicht. Betrug wird jedoch nur Volkswagen vorgeworfen. Auch Marken wie Opel und Mercedes nutzen die Gunst der Stunde und “optimieren” mehrere hunderttausend Fahrzeuge auf freiwilliger Basis. Kurz darauf beginnt die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit Ermittlungen gegen den ehemaligen VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Dabei geht es allerdings um das Verschweigen gegenüber der Finanzwelt und weniger um den Schaden für die Millionen Autofahrer.

Anfang 2017 stimmen VW und Audi in den USA der Forderung der Behörden zu, die betroffenen Fahrzeuge wahlweise zurückzunehmen oder umzurüsten. Alternativ bekommen die US-amerikanischen Kunden Schadensersatz. Zudem muss der Konzern milliardenschwere Strafen zahlen.

Parallel werden die Ermittlungen gegen Winterkorn um den Betrugsverdacht erweitert und die Münchner Staatsanwaltschaft durchsucht die Audi-Firmenzentrale - auch hier wird daraufhin wegen Betrugsverdacht ermittelt, allerdings zunächst gegen Unbekannt. Wenige Wochen später wird bekannt, dass auch in den Audi-Modellen A7 und A8 mit Dieselmotoren der Euro-5-Norm eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut war. 14.000 Fahrzeuge sollen zurückgerufen werden.

Mehrere Audi-Manager zwischenzeitlich in U-Haft

Die deutsche Politik will den Abgasskandal mit einer neuen Software lösen lassen. Damit sollen 5,3 Millionen Autos nachgerüstet werden. Diese Maßnahme ist für die Autohersteller jedoch freiwillig. Ex-Audi-Manager Wolfgang Hatz muss derweil in U-Haft und kommt erst neun Monate später gegen eine Kaution in Millionenhöhe frei.
Im Jahr 2018 gibt es mehrere Rückrufe für verschiedene Audi-Modelle durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA). Es geht um rund 130.000 Dieselautos mit Euro-6-Norm und unzulässiger Abschaltvorrichtung. Die Behörde entdeckt darüber hinaus weitere Ungereimtheiten. Audi spricht hingegen nicht von Manipulation, sondern von einem Versäumnis.

In den USA ist man da schon einen Schritt weiter: Gegen Martin Winterkorn wird Haftbefehl erlassen. Doch solange er sich in Deutschland befindet, droht ihm kein Zugriff durch die US-Justiz. Dann gerät auch Audi-Chef Rupert Stadler immer mehr ins Kreuzfeuer. Ab Mai 2018 wurde wegen Betrugsverdacht und Verdachts der mittelbarer Falschbeurkundung gegen ihn ermittelt, im Juni 2018 kam er dann wegen Verdunklungsgefahr für vier Monate in Untersuchungshaft und kam nur unter Auflagen frei. Im Oktober kündigte ihm Audi.

Ende 2018 werden in Deutschland durch Verbraucherverbände Musterfeststellungsklagen gegen den VW-Konzern ins Rollen gebracht, damit die betroffenen Autofahrer ihre Ansprüche gesammelt vor Gericht geltend machen können. Am 30. September 2019 steht der erste Verhandlungstag in Braunschweig an - mehr als 420.000 Kunden haben sich bereits in das Klageregister eingetragen.