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17.10.2019 10:18 Uhr

VW-Kunden in den USA haben Dieselskandal schon vergessen

Auch wenn die Zahlen im September im Vorjahresvergleich schlechter abschnitten: Der Absatz von Volkswagen-Modellen in den USA ist in diesem Jahr wieder deutlich gestiegen. Es ist zu vermuten, dass die dortige Kundschaft den Dieselskandal längst vergessen und verziehen hat. Kein Wunder, schließlich wurden sie von VW großzügig entschädigt.

Volkswagen in den USA unter Druck

Im September 2015 hatte die US-Umweltschutzbehörde EPA öffentlich gemacht, dass Volkswagen bei vielen Modellen mit Dieselmotoren der Euro-5-Norm eine Schummel-Software verbaut hat. Die hätte dafür gesorgt, dass die Abgaswerte auf dem Prüfstand der Norm entsprechen und die Fahrzeuge dadurch eine Zulassung erhielten, obwohl sie im Straßenverkehr zu viele Schadstoffe ausstoßen. VW entschuldigte sich damals sogar öffentlich vor dem US-Kongress.
Viele Amerikaner hatten sich vorher bewusst für einen Diesel aus Wolfsburg entschieden, denn der Autohersteller hatte in den USA besonders aggressiv mit umweltfreundlichen Motoren geworben. “Clean Diesel” und “Made in Germany” waren angesagt und spülten dem Unternehmen Milliarden von Dollar in die Kasse.

Großzügige Entschädigung schon 2016

Umso größer war der Druck nach der Enthüllung des Dieselskandals. Die drohenden Strafen und Klagen bewegten Volkswagen dazu, den US-Kunden Ende 2016 ein großzügiges Angebot zu machen. Rund 500.000 Verbrauchern konnten sich entscheiden, ob sie das Auto zu einem sehr guten Preis zurückgeben oder es umrüsten und sich zusätzlich entschädigen lassen wollen.

Die meisten wählten die erste Option und bekamen beispielsweise 40.000 Dollar für einen Audi A3 Jahreswagen. So sammelten sich in den USA über 300.000 zurückgekaufte Fahrzeuge der Volkswagen AG an. Sie stehen auf riesigen Parkplätzen im ganzen Land (wir berichteten). Inzwischen wurde rund die Hälfte verschrottet, weil sie keiner mehr will. Hinzu kommen monatlich etwa 10.000 Autos, die umgerüstet und wieder verkauft werden. Bis zum Frühjahr 2020 sollen alle Fahrzeuge verschwunden sein - spätestens dann ist der Dieselskandal in den USA Geschichte.

In Deutschland sieht das anders aus. Hier hat gerade die Musterfeststellungsklage am Oberlandesgericht Braunschweig begonnen, an der sich rund 470.000 VW-Kunden beteiligen. Gegen den Autohersteller zu klagen ist die einzige Möglichkeit, die Ansprüche auf Schadensersatz geltend zu machen. Freiwillig zahlt Volkswagen in Deutschland keinen Cent an seine Kunden. Als Begründung gibt der Konzern an, dass die Rechtslage eine andere sei als in den USA. Zudem müsste man in Europa zehn Millionen VW-Besitzer entschädigen - und das wäre finanziell undenkbar.

Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/vw-usa-163.html