0800 0008652 WhatsApp info@lawbutler.com
23.09.2019 09:29 Uhr

VW-Kunden müssen sich entscheiden - Pro & Contra der Musterfeststellungsklage

Wer in Deutschland einen Schummel-Diesel besitzt und von der Volkswagen AG dafür entschädigt werden möchte, braucht gute Nerven. Der Autohersteller zeigt sich wenig kompromissbereit und anders als in den USA gibt es bislang keine Einigung, mit der Millionen deutscher Kunden des Unternehmens Schadensersatz bekämen.

Mehr als 430.000 Verbraucher hoffen, dass sich ihre Situation mit der Musterfeststellungsklage gegen VW ändert. Diese wird ab dem 30. September vor dem Oberlandesgericht Braunschweig verhandelt. Die Chancen auf ein positives Urteil stehen vergleichsweise schlecht, denn laut Berliner Morgenpost endeten 52 von 62 Verfahren an Oberlandesgerichten zugunsten der Volkswagen AG. Diese hatte in elf Millionen Dieselmotoren vom Typ EA189 eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut und seine Kunden damit vorsätzlich sittenwidrig geschädigt.

Obwohl die Musterfeststellungsklage im Abgasskandal einige Fallstricke bietet, scheint sie für viele Kunden die einzige Möglichkeit zu sein. Diese Annahme basiert oftmals darauf, dass zu wenig über die Risiken, aber auch die Alternativen bekannt ist. Doch beides gibt es.

Kein finanzielles Risiko dank Prozesskostenfinanzierer

Wer vor Gericht zieht, möchte das möglichst ohne finanziellen Schaden tun. Dafür gibt es die Rechtsschutzversicherung. Allerdings hat sie nicht jeder abgeschlossen und selbst wenn, kann es passieren, dass die Übernahme der Kosten vom Versicherungsunternehmen abgelehnt wird. Die Lösung: ein Prozessfinanzierer. Er trägt das Risiko und bekommt dafür bei einem Erfolg vor Gericht eine Provision vom Kläger. Bei einer Niederlage behält der Kläger sein Auto und muss nichts zahlen.

Eine Individualklage mit oder ohne Prozesskostenfinanzierer dauert im Dieselskandal im Schnitt ein knappes Jahr bis zum Urteil. Für die Musterfeststellungsklage wird von vier Jahren ausgegangen. Und selbst dann bekommen die betroffenen Kunden noch kein Geld. Wahrscheinlich wird das Verfahren am Bundesgerichtshof neu aufgerollt, was weitere Zeit kostet.

Ist der Prozess endgültig zugunsten der Kläger entschieden, muss der Verbraucher auf Basis des Urteils selbst seinen Schadensersatz einklagen. Über die gesamte Verfahrenszeit wird er sein Auto in der Regel weiterfahren - und damit viel Geld verlieren. Denn für die Berechnung des Schadensersatzanspruchs wird vom Kaufpreis meist eine Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer abgezogen.

Lange Prozessdauer frisst Schadensersatz auf

Je länger der Prozess also dauert, desto mehr summiert sich dieser Betrag und verringert den Schadensersatz. Der könnte am Ende so gering sein, dass sich eine Klage für den VW-Kunden gar nicht mehr lohnt. Nur wenn das Gericht entscheidet, dass keine Nutzungsentschädigung abgezogen wird, könnte die Musterfeststellungsklage für die rund 437.000 Verbraucher ein Erfolg werden. Es gab bereits einige Richter, die in Einzelklagen derart entschieden haben, aber das ist dennoch eher selten der Fall.

Noch haben betroffene VW-Kunden Zeit, die Vor- und Nachteile beider Optionen abzuwägen und den für sich besten Weg zu finden. Wer sich bereits in das Klageregister der Musterfeststellungsklage eingetragen hat, kann sich noch bis kurz vor dem Prozessauftakt in Braunschweig rauslöschen lassen und auf eigene Faust klagen.