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12.09.2019 02:17 Uhr

Warum VW-Kunden lieber individuell klagen sollten

Noch rund zwei Wochen Zeit haben VW-Kunden, um sich der Musterfeststellungsklage gegen die Volkswagen AG anzuschließen. Dann beginnt das Verfahren gegen den Autohersteller vor dem Oberlandesgericht Braunschweig. Es geht um Schadensersatz für rund 430.000 Verbraucher, die unwissentlich einen Diesel mit unzulässiger Abschalteinrichtung gekauft haben.

Wer sich dazu entschließt, sich ins Klageregister einzutragen, setzt alles auf eine Karte und versperrt sich damit den Weg einer Individualklage, denn zwei parallele Prozesse sind nicht möglich. Das kann aus mehreren Gründen die falsche Entscheidung sein.

Experten gehen davon aus, dass sich das Verfahren gegen VW mindestens vier Jahre hinziehen wird. Anschließend kann eine der beiden Seiten in Revision gehen und die Klage wird am Bundesgerichtshof neu verhandelt. Weitere Zeit würde verstreichen.

Ende offen

Auf einen Vergleich wird sich der Autohersteller vermutlich nicht einlassen, denn bislang zeigte Volkswagen keinerlei Einsicht, einen Fehler begangen und seine Kunden vorsätzlich sittenwidrig geschädigt zu haben. Das aber wurde den Wolfsburgern bereits von vielen Gerichten vorgeworfen, die daraufhin Urteile zugunsten der Verbraucher fällten. Doch ausgerechnet die Richter in Braunschweig waren VW bislang besonders wohl gesonnen und haben ungewöhnlich oft zum Vorteil des Unternehmens geurteilt.

Ein Individualprozess dauert in der Regel sechs bis zwölf Monate - also deutlich kürzer als es für die Musterfeststellungsklage vorausgesagt wird. Die Dauer des Verfahrens spielt aber nicht nur für die Geduld der Kläger eine Rolle, sondern auch für die Höhe des Schadensersatzes. Denn die ergibt sich aus dem Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer.

Schadensersatz verringert sich

Nur wenige Gerichte haben bislang Urteile ohne Nutzungsentschädigung ausgesprochen. Da die meisten Autofahrer ihr Fahrzeug während des Prozesses weiter nutzen werden, steigt die Nutzungsentschädigung und verringert unter Umständen den zu erwartenden Schadensersatz. Den erhalten die Verbraucher im Falle einer erfolgreichen Musterfeststellungsklage anschließend aber nicht automatisch ausgezahlt. Vielmehr muss jeder einzelne im Anschluss individuell klagen, um an sein Geld zu kommen.

Angesichts dessen sollten sich VW-Kunden genau überlegen, ob sie sich der Musterfeststellungsklage anschließen oder gleich auf eigene Faust klagen. Noch ist es möglich, sich aus dem Klageregister löschen zu lassen und beispielsweise über Dienstleister wie LawButler wesentlich schneller zu prozessieren.