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27.06.2019 01:01 Uhr

Was kostet ein Anwalt?

 

Wer sein Recht vor Gericht durchsetzen will, braucht in der Regel einen Anwalt. Eine Rechtsschutzversicherung kann die Kosten für ein Gerichtsverfahren senken, doch sie greift nicht in allen Fällen. Immer wieder bleiben Verbraucher deswegen auf den hohen Anwalt- und Prozesskosten sitzen. Doch warum und was kostet es, wenn die Versicherung nicht zahlt?

Es ist wie so oft im Leben: Das Kleingedruckte in einem Vertrag wird oft überlesen. Das wissen auch die Versicherungsunternehmen. In vielen Versicherungspolicen sind Ausnahmen für eine Kostenübernahme trickreich untergebracht und der Verbraucher ist völlig ahnungslos.

Gesetz legt Gebühren für den Anwalt fest

Für einen Prozess vor Gericht ist ein Anwalt bei einem Streitwert ab 5.000 Euro in der Regel Pflicht. Bei einem ersten Beratungsgespräch legt er dem Mandanten eine Gebührenvereinbarung vor, die unterschrieben werden muss, wenn der Anwalt tätig werden soll. Doch das Honorar kann der Anwalt nicht beliebig selbst bestimmen. Vielmehr unterliegt die Berechnung dem deutschen Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) mit dem Vergütungsverzeichnis. So weiß der Verbraucher, was ihn erwartet.

Die Gebührenuhr beginnt bereits beim Erstgespräch - egal ob in der Kanzlei oder telefonisch - zu ticken, wobei auch diese Kosten für Verbraucher gesetzlich gedeckelt sind: auf maximal 190 Euro (bei einer Anfertigung eines schriftlichen Gutachtens auf 250 Euro) und gegebenenfalls zuzüglich einer Auslagenpauschale von 20 Euro. Eine komplette juristische Beratung ist dabei nicht zu erwarten, aber am Ende dieses Termins weiß der Verbraucher üblicherweise, wie er weiter vorgehen sollte.

Auch das Mindesthonorar für den Anwalt legt das RVG fest. Allerdings gelten die Gebühren nur für die Vertretung vor Gericht. Die außergerichtlichen Kosten, etwa die anwaltliche Geschäftsgebühr, können durchaus niedriger sein.
Grundsätzlich lässt sich sagen: Je höher der Streitwert ist, desto teurer wird es. Nimmt man beispielsweise den Abgasskandal, mit dem sich aktuell viele deutsche Gerichte beschäftigen, wäre der Streitwert der Kaufpreis des Fahrzeugs, den der Kläger bezahlt hat und nun wiederhaben möchte. Außerhalb eines Gerichtsstreits würde man den Streitwert als Gegenstandswert bezeichnen.

Die Kosten summieren sich

Die Kosten für einen Anwalt setzen sich aus Geschäfts-, Verfahrens- und Termingebühren zusammen. Dabei wird der einfache Gebührensatz unter Umständen vervielfacht, sodass die tatsächlichen Anwaltskosten aus Betrags- mal Satzgebühr zuzüglich Auslagenkosten berechnet werden. Hinzu kommt die Umsatzsteuer.

Kann ein Verfahren nicht von einem Gericht rechtskräftig entschieden werden, weil beispielsweise eine der beiden Parteien Berufung oder Revision einlegt, geht es in die nächste Instanz. Dem Amtsgericht als erste Instanz (in der Regel bei Streitwerten bis 5.000 Euro) folgen das Landgericht als Berufungsinstanz und der Bundesgerichtshof als Revisionsinstanz. Dem Landgericht als erste Instanz (in der Regel bei Streitwerten ab 5.000 Euro) folgen das Oberlandesgericht als Berufungsinstanz und der Bundesgerichtshof als Revisionsinstanz. Je höher die Instanz, desto höher sind auch die Anwaltskosten. Daher sollte man die Erfolgsaussichten bei einem erneuten Prozess in nächster Instanz vorher immer sorgfältig prüfen. Denn von ihnen hängt auch ab, ob die Rechtsschutzversicherung für die Kosten aufkommt.

Viele Anwälte verlangen für ihre Dienste einen Vorschuss, wenngleich die Kosten erst am Ende in Rechnung gestellt werden. Wer sich einen Gerichtsprozess nicht leisten kann, sollte den Anwalt nach einer Ratenzahlung fragen. Zudem gibt es in Deutschland die Möglichkeit der Prozesskostenhilfe, denn in Deutschland soll Recht nicht vom Einkommen abhängig sein. Für das Erstgespräch kann darüber hinaus ein Beratungsschein beim Amtsgericht beantragt werden. So ist es prinzipiell auch Verbrauchern ohne Rechtsschutzversicherung möglich, sich anwaltliche Unterstützung zu nehmen.