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31.10.2019 04:09 Uhr

Wegen des Diesel-Skandals - Daimler vergibt Gutscheine für ein Software-Update

Der Autohersteller Daimler wurde in den letzten Wochen stets aufs Neue mit Vorwürfen wegen unzulässiger Abgastechnik konfrontiert. In Zusammenhang mit der sogenannten "Dieselaffäre" wirbt Daimler bei den Kunden mit einer Gutschein-Aktion. Es geht dabei um die Aufrüstung von Diesel-Kraftfahrzeugen mit aktuellen Software-Updates.

Der Daimlerkonzern kündigte an, dass die Käufer von Dieselfahrzeugen der Marke Mercedes mit den Abgasnormen Euro 5 und 6b mit einem Gutschein belohnt würden. Sie müssen nur in einer Autowerkstatt in der Bundesrepublik Deutschland ein derartiges Update in ihrem Kraftfahrzeug aufspielen lassen. Das Geld wird allerdings nicht in bar bezahlt, bestätigte ein Konzernsprecher. Stattdessen würden Gutscheine herausgegeben, mit denen in Autowerkstätten Waren und Dienstleistungen gekauft werden könnten.

Diese Aktion gilt auch rückwirkend

Die Aktion dauert bis zum Ende des Jahres und gilt auch rückwirkend. Das bedeutet dass auch jene Lenker, die bereits früher ein Software-Update in ihrem Fahrzeug haben aufspielen lassen, einen Gutschein bekommen können. Laut der Leitung des Mercedes-Benz-Vertriebs soll ein Anreiz geschaffen werden um dass das Update so rasch wie möglich aufzuspielen. Diesen Weg sollten auch die Mitbewerber von Daimler einschlagen.
Allerdings wird diese Gutschein-Aktion auch als Versuch des Herstellers gewertet, den Imageschaden möglichst in Grenzen zu halten. Denn der ist ziemlich einschneidend nach den Vorkommnissen im Zuge der Dieselaffäre. Der Autoproduzent Daimler muss nochmals mehrere Hunderttausend Diesel-Kraftfahrzeuge wegen einer höchstwahrscheinlich unzulässigen Abgastechnik in die Werkstätten zurückrufen.

Hunderttausende Fahrzeuge betroffen

In den Jahren 2018 und 2019 wurden vom deutschen Kraftfahrt-Bundesamt gegen mehrere Hunderttausend Daimler-Kraftfahrzeuge Rückruf-Bescheide wegen unzulässiger Abgastechnik erlassen. Im abgelaufenen Jahr waren knapp mehr als 680 000 Autos betroffen. Im Frühjahr kamen zusätzliche 60 000 Autos hinzu und vor kurzer Zeit nochmals einige Hunderttausend Autos.

Noch dazu hatte der Autokonzern freiwillige Updates der erforderlichen Software für mehr als drei Millionen Autos angeboten. Im September des Jahres 2019 verhängte die Staatsanwaltschaft Stuttgart zusätzlich eine Strafe in Höhe von fast 900 Millionen Euro gegen den Daimlerkonzern. Als Ursache wurde eine fahrlässige Verletzung der Aufsichtspflicht angegeben. All angeführten Zahlen beziehen sich nach Angaben des Konzerns sowohl auf in der Bundesrepublik als auch auf in anderen Teilen Europas zugelassene Mercedes-Diesel-KFZ.

Auch für jene Kraftfahrzeuge, für die ein solches Software-Update offeriert worden war, gibt es den Gutschein. Ausnahmen davon sind allerdings etwa 260 000 Sprinter-Diesel-KFZ. Diese waren vom jüngsten KBA-Rückruf betroffen. Für diese gibt es noch kein Software-Update.

Insgesamt könnten sich in ganz Europa die Eigentümer von etwa 3,6 Millionen Fahrzeugen Gutscheine abholen. Bei mehr als einer Million dieser Diesel-KFZ sind bereits Software-Updates eingespielt worden, davon sind 400 000 Autos in der Bundesrepublik Deutschland zugelassen.

Anwälte sprechen sich gegen zu schnelles Handeln aus

Betroffene Autofahrer sollten aber äußerst vorsichtig sein. Diese Empfehlung stammt von einer Anwaltskanzlei die im Abgasskandal die Interessen von einigen tausend betroffenen Autolenkern vertritt. Solange kein verpflichtender Rückruf des Kraftfahr-Bundesamtes vorliegt, brauchen die Autobesitzer keine Stilllegung des Fahrzeuges befürchten. Aber auch bei einem verpflichtenden Rückruf, bei dem Änderungen an der Steuerung des Motors vorgenommen werden, sollte das Update nicht vorschnell genehmigt werden. Wer das Update aufspielen lässt, läuft Gefahr, die Ansprüche für Gewährleistung und Schadenersatz in Höhe von mehreren tausend Euro zu verlieren.