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21.08.2019 08:36 Uhr

Wer bezahlt die Nachrüstungen der Dieselautos?

Bei der Aufarbeitung des Dieselskandals hakt es noch immer. Weiterhin zeigen sich viele Autohersteller und ihre Manager uneinsichtig und die deutsche Justiz hat bislang keine harten Strafen verhängt. Doch auch für die Autofahrer geht es nicht voran. Politik und Autoindustrie streiten noch immer darüber, wer die Nachrüstungen bei den betroffenen Dieselfahrzeugen zahlen soll.

 

Erste Hardwarelösungen genehmigt

Im Juli hatte wenigstens das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) etwas Bewegung in die Sache gebracht und Systeme für die Hardware-Nachrüstung für Fahrzeuge von Volvo und Mercedes genehmigt (wir berichteten). Seit einigen Tagen gibt es nun auch eine Betriebserlaubnis für ein System für über 60 Modelle des Volkswagen-Konzerns. Auf den Kosten für die Nachrüstung bleiben die Verbraucher jedoch in großen Teilen sitzen.

Doch das reicht Umweltministerin Svenja Schulze und dem ADAC nicht. Sie verlangen weitere Zugeständnisse und wollen, dass die Autohersteller für die Kosten aufkommen.

Laut zeit.de mahnt ADAC-Vizepräsident Karsten Schulze, dass die Verbraucher mehr Sicherheit bei der Finanzierung der Nachrüstung benötigen. Schließlich wären sie nicht Schuld an der Misere. Und auch der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) schlägt sich auf die Seite der Kunden und hält es für unfair, wenn die Förderung bei der Nachrüstung von Euro-5-Dieseln regional beschränkt ist.

Die Umweltministerin scheint den Autoherstellern in punkto Kostenübernahme allerdings keinen Druck machen zu wollen. Vielmehr fordere sie, dass diese “noch einmal in sich gehen”. Ob das reicht, ist fraglich. Denn auch wenn es inzwischen genehmigte Nachrüstlösungen gibt, bedeutet das nicht automatisch, dass Volvo, Mercedes und Volkswagen ihren Kunden keine Rechnungen schreiben.

Bis zu 3.000 Euro - aber nicht für alle

Die beiden deutschen Hersteller übernehmen bis zu 3.000 Euro - aber nur in bestimmten Regionen. Welche das sind, muss die Bundesregierung noch festlegen. Es geht um “Intensivstädte”. Eine Beschränkung auf die Orte, in denen die Stickstoffbelastung den EU-Grenzwert überschreitet, ist allerdings wenig sinnvoll und würde die Mobilität der Dieselfahrer aus anderen Regionen einschränken. Sie wären weiterhin vom Fahrverbot betroffen.

 

Volvo weigert sich sogar komplett, irgendwelche Kosten zu bezahlen. Schließlich würde die Autoindustrie wohl lieber neue Autos mit niedrigerem Stickstoffausstoß verkaufen, statt neue Hardware einzubauen, die diesen absenken kann. Dies könnte ein Grund für die Blockadehaltung sein, die aber ohne Konsequenzen für die Unternehmen bleibt. Die Autofahrer hingegen müssen sich entscheiden: mehrere tausend Euro für den Einbau der Hardware bezahlen oder gegebenenfalls von einem Dieselfahrverbot betroffen sein.

Millionen Autofahrer betroffen

Durch eine Nachrüstung könnten Dieselfahrzeuge der Euro-5-Norm trotz Fahrverbot die gesperrten Straßen befahren. Insgesamt geht es in Deutschland immerhin um fünf Millionen Fahrzeuge, darunter 1,3 Millionen aus dem Volkswagen-Konzern. Doch längst nicht alle Autos stammen von Mercedes, Volvo, VW, Audi, Skoda oder Seat - für andere Marken gibt es bislang aber noch keine Lösungen.

Im Oktober sollen die ersten VW-Umrüstungen möglich sein. Der Systemhersteller Baumot kündigte bereits jetzt Genehmigungen für weitere Autohersteller an. Ob die sich dann an den Kosten für die Umrüstungen beteiligen oder ebenfalls die Verbraucher zur Kasse bitten, ist offen.