0800 0008652 WhatsApp info@lawbutler.com
22.08.2019 10:12 Uhr

Zahl der Rückrufe in der Automobilbranche steigt

Der Dieselskandal hat nicht nur zu einer Klagewelle an deutschen Gerichten geführt, sondern auch zu etlichen Rückrufen durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). So mussten unlängst rund 60.000 Mercedes GLK 220 Baujahr 2012 bis 2015 in die Werkstatt, weil darin eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist (wir berichteten).

 

Den schwäbischen Autobauer treffen solche Maßnahmen besonders oft. Schon 2018 führte das Unternehmen die Liste an und auch 2019 gab es bereits 21 Rückrufe aus den unterschiedlichsten Gründen. In diesem Jahr ist BMW der Spitzenreiter, wenn es um die Anzahl der Fahrzeuge geht, für die solche Rückrufe gelten. Mehr als eine halbe Million Autos mussten die Bayern schon nachrüsten, weil die Batterieleitung Probleme machte.

Laut Handelsblatt stieg die Zahl über alle Hersteller hinweg im vergangenen Jahr auf insgesamt 572 Rückrufe in Deutschland - das waren elf Prozent mehr als 2017. Und auch in diesem Jahr waren von Januar bis Juni bei 182 Rückrufen bereits 1,6 Millionen Autos betroffen und damit satte 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Mehr defekte als neue Autos

 

In den USA sind die Zahlen noch drastischer: Im ersten Halbjahr 2019 wurden bereits mehr als 20 Millionen PKW in die Werkstätten gerufen. Hier sind die japanischen Marken Subaru, Honda und Mazda die größten Sorgenkinder. Das Ausmaß lässt sich erst richtig begreifen, wenn man sich die Rückrufquote anschaut. Sie liegt bei 233 Prozent, was bedeutet, dass in den ersten sechs Monaten diesen Jahres 2,3-mal so viele Gebrauchtwagen zurückgerufen wurden, wie Neuwagen verkauft wurden. Betrachtet man die Jahre 2014 bis 2018, waren es sogar 500 Prozent. Allein 50 Millionen Autos mussten in die Werkstätten, weil fehlausgelöste Airbags der Firma Takata zu Todesfällen geführt hatten.

Airbags sind ein häufiger Grund für Rückrufe, aber auch Fehler in der Elektronik, die mitunter erst nach Jahren auffallen. So war es beispielsweise beim jüngsten Rückruf des VW-Transporters T6, wo eindringendes Wasser zu Bränden führen kann. In den letzten Jahren kam es bei diesem Modell zu Auffälligkeiten wie Schmorgeruch oder Brandschäden. Nun hat das KBA gehandelt. Fahrer der betroffenen Fahrzeuge sollten bei einem Termin in der Werkstatt die Seitenwand abdichten lassen. Damit ließe sich das Problem beheben.

Reagieren, bevor es zu spät ist

Bei Mängeln, die die Sicherheit der Insassen gefährden, schauen die Behörden besonders genau hin. Und hier zeigt sich ein besorgniserregender Trend, denn immer mehr Rückrufe betreffen sicherheitsrelevante Teile. Bei Subaru war es ein defekter Bremslichtschalter, bei Volkswagen hakte es bei der Einstellung der Scheinwerfer und bei Ford bestand das Risiko, dass die Hinterradaufhängung bricht. Überhaupt gibt es nur wenige Hersteller, deren Bilanz sich in den vergangenen Jahren verbessert hat, so das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach.

10 der 16 analysierten Hersteller hätten demnach eine eklatante Rückrufquote. Das liegt zum einen an Plattformen, die von mehreren Marken gleichzeitig genutzt werden, um Kosten zu sparen. Wenn dann etwas nicht passt, trifft es gleich mehrere Unternehmen. Zum anderen werden die Autos immer komplexer und um den Gewinn zu maximieren, kommt das Qualitätsmanagement oft erst dann zum Tragen, wenn etwas passiert ist. Der Autofahrer ist auch hier am Ende der Leidtragende.